Corona, der Bundesrat und andere Wirrungen

Corona, der Bundesrat und andere Wirrungen

Ich stelle erschreckt fest, dass ich seit Wochen in drei Filterblasen feststecke: Corona, die Entschließung des Bundesrates vom 15. Mai 2020 und die Sperrung von vier Strecken in Tirol. Nun mal meine Filterblasen-Zusammenfassung:

Corona-Lockerungen

Wir haben die ersten Lockerungen Ende Mai gleich dazu genutzt, uns für vier Tage in den Schwarzwald zu wagen. Es hat sich so gut angefühlt! Bei bestem Frühsommerwetter und schönster Kurvenlage die wiedergewonnene Freiheit genießen. Außerdem natürlich unserer sozialen Ader folgend, haben wir die dortige Gastronomie kräftig unterstützt. Auf jeden Fall tun wir das auch in heimatlichen Gefilden weiter: Ich zahle gerne mit meinem guten Namen und einer Emailadresse für Sozialkontakt. Wenn man 13 Wochen im Home Office gesessen hat, ist es wie ein wunderbarer warmer Sommerregen, anderen Menschen gegenüber zu sitzen und Dummfug zu reden. (Natürlich liebe ich meinen Mitbewohner, Schatzi, und wir haben uns auch nach 13 Wochen Home Office immer noch ganz dolle lieb. Doch andere Menschen, außerhalb der eigenen vier Wände und nicht bei der Videokonferenz zu treffen, ist eine schöne Bereicherung ;-) )

Jägerhaus St. Peter

Bundesrat = Motorraddrama

Am 15. Mai 2020 stimmte der Bundesrat unter anderem dafür, die Geräuschemissionen für alle neuen Motorräder auf maximal 80 dB(A) zu begrenzen und partielle Fahrverbote einfacher an WE und Feiertagen zu realisieren. Diese Entschließung wurde der Bundesregierung zugeleitet, die irgendwann entscheidet, ob und wann sie die Anregung des Bundesrates umsetzen will. 

Ein riesen Aufschrei ging durch Social Media, es wird auf "die schwarzen Schafe" gezeigt, nach Solidarität gerufen und Hersteller sowie Zulieferer verantwortlich gemacht. Ja, Motorradfahren ist ein sehr emotionales Thema. Unzählige Kommentare in Motorradmagazinen, Motorradblogs und wer sich sonst noch dazu berufen fühlt oder um Reichweite zu ergattern, seine Meinung dazu zu äußern, äußert es auch. Manches gut und sachlich und manches ..., ach lassen wir das.  Ich enthalte mich der meiningen, es ist für mich alles dazu gesagt, in jeglicher stilistischen Text- und Bewegtbildform.

Ich werde am Ende der Saison wohl meine Jekill & Hyde Anlage abbauen und meine originalen Endtöpfe wieder anbauen (wenn ich sie dann schwarz hab pulvern lassen - es sei denn, es hat jemand noch ne schwarze originale Scout Bobber-Anlage rumzuliegen). Die meiste Zeit fahre ich sowieso nur noch mit geschlossenem Topf, da mich der Sound auf längeren Strecken nervt. Been there, done that - reicht jetzt. Und nein, diesen Entschluss hatte ich bereits VOR dem 15. Mai 2020 gefasst.

Ob ich am 04.07.2020 an einer der vielen Motorrad-Demos teilnehme? Weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich sind wir da schon auf dem Weg in den Urlaub ... dafür habe ich mich entschlossen, dem BVDM beizutreten, weil er mir als eine sehr sachliche Interessenvertretung erscheint. Zumal er sich enorm vor Gericht für unsere Rechte und gegen Streckensperrungen einsetzt. So manche Aufhebung von gesperrten Strecken haben wir dem BVDM zu verdanken

Tirol sperrt beliebte Strecken

Während in Deutschland noch diskutiert wird, machen die Tiroler ernst: Hahntennjoch, Namlostal, Tannheimertal und Lechtal dürfen von Motorrädern mit einem eingetragenen Standgeräusch von über 95 db (A) nicht mehr befahren werden. Standgeräusch und Fahren passen irgendwie nicht zusammen., lässt sich allerdings gut vor Ort messen. Es wird auf den Herstellern und Zulieferern herumgehackt, den db-Eater-Vergessern, natürlich auch auf der EU, warum man überhaupt solche Homologationen zulässt und wieder die Suche nach den schwarzen Schafen. Die Sperrung hat bisher eine ziemliche Stornierungswelle der Biker hervorgerufen, die ja nun endlich wieder raus dürfen (siehe Überschrift 1).

Motorradfahrverbote Reutte 2020

Alles bleibt anders

Ich hoffe weiterhin auf weitere Corona-Lockerungen, und dass noch viel mehr Menschen die Corona-Warn-App auf ihrem Smartphone installieren. Alles andere können wir derzeit nur weiter kritisch beobachten und mit ein wenig gemeinsamer Initiative versuchen in Bahnen zu lenken, die für alle Beteiligten befriedigend sind.