Schloss Hirschhorn

Husch-Husch sans weg ...

 Schatzi und ich haben das wunderbare letzte Septemberwochenende dazu genutzt, um zwischen Alb und dem südlichen Zipfel des Odenwalds unterwegs zu sein. Erstaunlicherweise waren diesmal keine Knieschleifer auf unserer Streckenauswahl unterwegs. Wir hatten das Glück, auf den schönen und interessanten Streckenabschnitten mit hübschen Kurven auch keine Bremsen in Dosen vor uns zu haben. Alles in Allem: Herrlich! Jetzt könnte der Bericht zu ende sein. Könnte ....

Ich-fahre-auf-der-Mittellinie-und-bleibe-da

Aber doch: Es gibt sie, die Nicht-in-den-Spiegel-Gucker, die Ich-fahre-einen-40-Tonner-Chopper, Drehmoment-Kenn-ich-nicht-Schlafmützen, Wir-fahren-immer-versetzt-in-der-Gruppe-Fahrer - ich könnte hier noch unzählige Begriffe nennen, diszipliniere mich aber. Zurück zur gemütlichen, sonnigen Heimfahrt auf der B45 / B37 zwischen Hirschhorn und Lindach a. N. . Hier ist die Bundesstraße so breit, dass auf eine Fahrspur locker vier Moppeds nebeneinander passen würden. Es gibt keine scharfen Kurven, alles ist übersichtlich und "fließt" so am Neckar entlang. Entsprechend ist die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h problemlos möglich.

80 ist das neue 100?

Es war Sonntag, das wohl letzte schöne Wochenende mit 25° C Grad im September - die gesamte motorisierte Gemeinde scheint auf den Rädern zu sein. Wir fahren auf eine Gruppe Autos mit Geschwindigkeit ~80 km/h auf. Die Dosenfahrer lenken freundlicherweise ihre vierrädrigen Gefährten sehr weit rechts, so dass Schatzi und ich locker, ohne großen Schlenker auf die Gegenfahrbahn, überholen können. Bis wir auf eine Dreier-Gruppe Motorradfahrer aufschließen, Geschwindigkeit zwischen 70 und 80 km/h. Hinten: Hans-Guck-in-die-Luft Softail (erkenntlich war, dass er Sight-Seeing gemacht hat, der Kopf schlenkerte von links nach rechts), Mitte: Softailfahrerin mit Windshield, stur geradeaus schauend, Ape und Sturzbügel, Vorne: GS mit Alu-Koffern rundum. Mister Harley fährt stoisch fast auf dem Mittelstreifen, Madame ganz rechts und die GS mittig auf der Fahrbahn und keiner davon macht einen Zucker, um die langsame Blechlawine vor ihnen zu überholen (gaaanz vorn fährt ein Oldtimer) . Schatzi versucht sich mehrfach vergeblich bei Hans-Harley-Guck-in-die-Luft bemerkbar zu machen. Keine Reaktion, Harley-Hans fährt weiter wie auf Schienen auf der Mittellinie. Was soll man machen? Gegenverkehr abgewartet, am Kabel gezogen, ausgeschert und überholt, als müsste man an einem 40-Tonner vorbei. Ich durfte kurzfristig zwischen Harley-Fahrerin und GS-Fahrer rein, die ebenfalls keine Anstalten machten, von ihrer Fahrposition abzuweichen - was ja auch gut war, da Miss Harley ganz rechts ihrer Linie treu blieb. Ich glaube, die hat gar nicht bemerkt, dass zwischendurch ein Motorrad neben ihr war. Die Dosen vor uns fuhren bereitwillg rechts, damit ich zu Schatzi aufschließen konnte.

Manchmal ist Rechtssein ok

Unsere Reisegeschwindigkeit auf gut ausgebauten Bundestraßen beträgt durchaus das Erlaubte - doch bekomme ich Pimpernellen, wenn ich so ignorante Sonntagsfahrer vor mir habe. Hans-Harley darf ja gerne vor sich hinträumen und mit 80 km/h die Landschaft genießen. Doch wenn jemand sein Wohlfühltempo in einem anderen, höheren erlaubten Geschwindigkeitsbereich hat: Bitte einfach etwas Platz machen - das war auf dieser autobahnähnlichen Strecke für niemanden gefährlich. Für einen Autofahrer ist es deutlich schwieriger, so eine Gruppe zu überholen. Dann darf man auch mal seine Versatz-Fahr-Positionierung aufgeben und hintereinander mehr rechtsorientiert fahren, um den schnelleren Blechbüchsen den Weg frei zu machen. Ich fahre so weit rechts wie möglich, wenn ich sehe, dass Motorradfahrer oder Autos von hinten einfach schneller sind als ich. Da ist Rechtssein einfach mal voll OK ... tut nicht weh und kratzt auch nicht am Ego.