36 Grad und es wird noch heißer

Irgendwas ist ja immer bei Motorradfahrern - also zumindest im Internet. Der Winter dauert zu lange, der Frühling ist mal wieder viel zu nass, im Herbst wird über Bruchstrich-Fahrer hergezogen und der Sommer - ja der Sommer - der ist in diesem Jahr so schlimm heiß wie noch nie.

Die Diskussionen gehen dann um Schutzkleidung, T-Shirt, kurze Hose und Flip-Flops auf dem Motorrad. Leidenschaftlich verteidigen sich T-Shirtfahrer, dass sie ja damit NUR ein paar Kilometer unterwegs sind. Denn Motorradfahren muss sein. Auch bei der größten Mittagshitze.

Fährt man auf Nummer Sicher mit Sommer-Schutzkleidung, muss man argumentieren, dass man bei bestimmten Temperaturen einfach gar nicht mehr fährt.

Im T-Shirt zu fahren ist für mich ein No-Go. Ja, ich gestehe, habe ich auch schon mal gemacht. Insgesamt zwei Mal. Der Sicherheitsaspekt und einschlagende Großinsekten auf meinen Oberkörper haben mich schnell davon überzeugt, doch lieber nach einer adäquaten Sommerklamotte zu suchen.

Über 30° C ist Schluss

So gerne und oft ich Motorrad fahre - bei über 30° C stelle ich das dann ein. Wenn es mich doch noch in den Fingern juckt, dann versuche ich das in den frühen Morgenstunden zu tun (leide ja an prä-seniler Bettflucht ;-) ). Am Abend dauert es derzeit viel zu lang, bis die Temperaturen wieder erträgliche Temperaturen erreichen. Dann ist es meist schon Dunkel.

Heat kills

Wir wissen alle was passiert, wenn wir in einem verschlossenen Auto in der Sonne sitzen ... Und als Motorradfahrer sperrt man seine Denkmurmel in einen Mini-Schwitzkasten ...

In weiser Voraussicht bevorzuge ich weiß als Helmfarbe - nicht nur, weil man den besser sieht (passive Sicherheit), sondern auch, weil dieser sich nicht so schnell aufheizt. Doch wenn du bei über 30° C bei praller Sonne vor der Ampel stehst, fließt auch hier der Schweiß in Strömen.

Apropos Schweiß - das ist die Flüssigkeit, die der Körper absondert, um die Körper-Kerntemperatur auf lebenserhaltenden 36° C zu halten.

Was mache ich also, wenn es so heiß ist, dass mir die Suppe aus dem Helm läuft? Klar Visier hoch! An der Ampel aber doch etwas doof, weil mir da der Fahrtwind fehlt, um überhaupt kühlen zu können. 

Der hintere Zylinder meiner Scout verwandelt sich in eine Art Grillofen, der mich langsam aber sicher wie ein Spanferkel durchbraten will.

Die Cordura-Kevlar-Jeans ist im stehenden Gebrauch ohne Fortbewegung ebenso unangenehm. Allerdings dann aber doch wieder so angenehm, dass man nicht gleich im eigenen Bratensaft wie bei Leder sitzt.

Was passiert also im Körper, wenn ich hübsch sicher eingepackt bei solchen Temperaturen unterwegs bin?

Der Schweiß, der mich eigentlich kühlen sollte, wird vom T-Shirt / Funktionshemd aufgesogen aber nicht nach außen weitergeleitet: Unter der Lederjacke auf gar keinen Fall, in meiner neuen Icon Sommer-Jacke auch nicht optimal. Denn was winddicht ist, ist meistens nicht atmungsaktiv. Zwar helfen Airvent Reißverschlüsse, nur eben nicht, wenn man steht. So heizt sich der Körper allmählich auf.

Die Flüssigkeit, die wir so fröhlich in unser T-Shirt schwitzen, wird nicht so schnell ersetzt. Es sei denn, du hast einen Trinksack dabei. Dehydrierung macht uns unkonzentriert, müde, lässt den Kreislauf zusammenbrechen.

Durch die erweiterten Blutgefäße, die die Oberfläche der Haut zur Kühlung vergrößern, kann es passieren, dass das Herz nicht mehr die entsprechende Menge Blut bekommt, um den Körper ausreichend damit zu versorgen. Der Blutdruck sinkt und man kann bewusstlos werden.

Ich muss nicht extra darauf hinweisen, dass Bewusstlosigkeit beim Steuern eines ein- oder zweispurigen Fahrzeugs tödlich für sich und u.U. Unbeteiligten sein kann.

Kühlen Kopf bewahren

Bevor ich mich freiwillig dieser Hitze auf dem Motorrad aussetze, bewahre ich lieber einen kühlen Kopf, indem ich nicht fahre. 

Bin ich im Urlaub, dann wäge ich ab, ob ein Tag am Pool oder See nicht doch besser sind, bereite mich gut vor und versuche eine Strecke zu planen, die z.B. auf höher gelegene, kühlere Gebiete beschränkt ist.

Tipps

  • Am frühen Morgen fahren
  • Trinksack im Tankrucksack + Minikühltasche und -akkus für den Tankrucksack, damit das Getränk kühl bleibt. Hier hat jemand mal was getestet: https://www.twoduro.com/equipment/trinksysteme/
    Beispiel: Mini-Kühltasche
  • helle Sicherheitskleidung
  • heller Helm
  • Kühlweste mit Kühlpacks
    Es gibt Kühlwesten (z.B. von Revit), die angefeuchtet werden und wie unser Körper über Verdunstung kühlen. Ist natürlich unter einer Leder- oder winddichten Textiljacke meines Erachtens nicht so wirkungsvoll, da kein Fahrtwind dran kommt.
    Deshalb würde ich eher zu einer Weste mit Coolpacks greifen.
  • Touren in höher gelegene, kühlere Gebieten planen
  • Häufige Pausen
  • Touren kürzer planen
Wenn Euch noch etwas einfällt, was Ihr bei "heißen" (Urlaubs)Touren zur Kühlung unternehmt (nein, nicht im T-Shirt fahren ;-) ), dann lasst es mich wissen!

Photo credit: Jorge Quinteros on Visual hunt / CC BY-NC-ND