Indian Scout und Suzuki Intruder in den Bergen

Urlaub im eigenen Land

Diesen Text habe ich bereits im Juni 2019 begonnen, ihn aber bisher nicht fertig geschrieben. Und ich stelle fest, er ist aktueller denn je. Plötzlich gibt es einen erzwungenen Run auf deutsche Urlaubsgegenden, den es ohne Corona nicht gegeben hätte. Meine Gedanken ....

Auszeit

Sich eine Auszeit nehmen ist für viele heutzutage oft ein Problem. Nicht, weil man keine Zeit hätte, eher, weil Freizeit mittlerweile vollkommen durchorganisiert ist. Genau wie der Urlaub.
Alles geht immer-höher-schneller weiter. Jeder will die verwegensten Touren gefahren sein, die meisten Pässe, schwierigsten Kehren oder weiteste Strecke. Damit man am Montag erzählen kann, was für ein Held man ist?

Zeit nehmen für's DASEIN

Ich bin ja kein Anhänger von Life-Coaches, die so aus dem Boden sprießen. Sogar jetzt schon als Rubrik in einem Motorrad-Online-Magazin. Müssen wir uns immer weiter "optimieren"? Oder reicht es nicht aus, einfach mal DA zu sein? (Nein, ich strebe sicherlich keine Karriere als Coach an - Erwachsenbildung habe ich abgehakt ... habe ich zehn Jahre gemacht)

Wie ich ja schon an anderer Stelle erwähnt habe (Artikel: Du musst die Berge lieben), passt die Jagd nach Pässen, Haarnadelkurven und Langstrecken (im Urlaub) nicht zu meinem Verständnis von Motorradfahren.

In meinem Leben habe ich schon viel erlebt, viel gearbeitet und viel versäumt. Seit meiner Not-OP 2015 habe ich es oft vor Augen: Es kann ganz schnell gehen. Zack. Aber deshalb hetze ich nicht jedem Erlebnis hinterher. Für mich zählt - Neudeutsch - Qualitytime.

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Rossfeld Panoramastraße

Zuhause ist überall

Grundsätzlich komme ich so ziemlich mit allen regionalen Unterschieden und Typen zurecht. Meine letzten 20 Jahre habe ich im süddeutschen Raum verbracht von Unterfranken, Mittelfranken, Oberbayern, Schwaben-Allgäu und nun im Ländle. Und wenn man als Zuagroiste / Neigschmeckte in einen Landstrich kommt, nimmt man diesen ganz anders wahr, als die Einheimischen.

Wo wir nun beim eigentlichen Punkt angekommen sind: Es gibt in der Gegend, in der man lebt, so viel zu entdecken! Oft sagt mir mein Mann, dass er diese oder jene Strecke noch nie gefahren ist, obwohl sie nur einen Steinwurf entfernt liegt.

Die Umwelt wieder neu erleben, in Deutschland gibt es so viel zu sehen!

Den Moment genießen

Ich bekomme Pickel, wenn ich in diversen Gruppen die Organisation von Treffen oder gemeinsamen Ausfahrten mitbekomme. Ich muss nicht jedes Wochenende mit zig Motorrädern und Menschen unterwegs sein. Das ist für mich oft Stress. Dazu hatte ich schon 2016 einen Artikel geschrieben, zum Rudelfahren.

Den Moment genießen heißt für mich, eben nicht auf etliche andere MitfahrerInnen achten und Strecken fahren zu müssen, die ich nur halbwegs gut finde.

Das mag sich im ersten Moment etwas menschenfeindlich und unsozial anhören. Ich verbringe meine freie Zeit eben lieber motorradfahrend mit Schatzi. Das immer spontan, lange Vorausplanungen sind uns zu wider. Einzig das Wetter muss stimmen und schon kann's losgehen. (Unser Roadtrip 2020 wird demnächst hier verbloggt)

Run auf deutsche Landstriche

Plötzlich werden deutsche Gegenden "hip", weil Österreich, Frankreich, Kroatien oder Italien nun keine sicheren Reiseziele sind. Sonst oft belächelt, nun auf einmal "so geile Strecken". Wie schnell sich Dinge ändern können.

Der Vater eines Jugendfreundes hat mal gesagt, als ich noch oft zum Tauchen geflogen bin: "Warum muss ich mir fremde Länder anschauen, wenn ich noch nicht einmal das eigene Land gesehen habe?" Damals habe ich ihn nicht verstanden - 25 Jahre später muss ich ihm Recht geben. Viele haben ja schon Probleme mit den unterschiedlichen Gepflogenheiten und Essgewohnheiten in anderen deutschen Regionen ;-)

In diesem Sinne: Auch ohne Pandemie ist das Fleckchen Erde, auf dem wir uns befinden, immer eine Tour wert. 

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