Motorrad-Darwinismus

Der hochgeschätzte Charles Darwin nannte es "Surviving of the fittest". Leider immer wieder missinterpretiert mit "Der Stärkere überlebt". Nein, mitnichten! Die fittere und anpassungsfähigere Spezies überlebt. Beim Homo Sapiens Motofahrensis beobachte ich häufig Individuen, die höchst wahrscheinlich nur eine geringere Überlebenschance in der freien Wildbahn (Straßenverkehr) aufweisen.

 

In der Gegend, in der ich beheimatet bin, gibt es Hügel, Flusstäler und genügend Kurven und Kehren. Beliebte Strecken für die natürliche Auslese sind im Norden das Leintal- /Kochertal (B 19) von Hüttlingen nach Gaildorf und umgekehrt. Oder südlich über Hohenstaufen von Schwäbisch Gmünd nach Göppingen. 

Helm auf - Hirn aus

Auf letzterer Strecke durfte ich wieder Zeuge eines Helm auf - Hirn aus Kandidaten werden. Die Ortschaft Hohenstaufen befindet sich auf dem Hohenstaufen. Fährt man von dort in südlicher Richtung, schlängelt man sich, beginnend mit einer fröhlichen Linkskehre, sechs Kilometer den Berg hinunter. Auf dem oberen Stück gibt es eine einigermaßen übersichtliche und gerade Strecke, bevor die Straße in den Wald abtaucht.

Bei unserer letzten kleinen Ausfahrt Richtung Süden wollte ich mal wieder diese Strecke nehmen, habe ich doch einige Jahre hier täglich runter wie rauf fahren dürfen.

Schönes Wetter heißt, dass alle sich entweder in ihre Dose setzen oder auf das Einspurfahrzeug (wir ja auch). Entsprechend viel Verkehr war auf diesem Straßenabschnitt. Kaum hatte ich die Linkskehre hinter mich gelassen, tauchte auch schon was Grünes in meinem Rückspiegel auf, das sich dann nach der nächsten Rechtskurve fast neben mich setzte. Logischerweise mache ich solchen Hirnis gerne Platz. Ich mag mein Leben - surviving of the fittest ;-) Auf dem kommenden, einigermaßen überischtlichen Stück, bevor eine 90° Linkskurve mit Geschwindigkeisbegrenzung zum Bremsen zwingt, hat dieser Vollhonk natürlich zum Überholen ausgeschert. Es waren rund acht Autos vor ihm - und *huch* eins kam ihm entgegen. Da zwängst man sich eben in eine Lücke und zwingt den Autofahrer zu lustigen Bremsmanövern.

Ab der 90° Linkskurve herrscht Geschwindigkeitbeschränkung (70) und Überholverbot. Na egal - die grüne Knalltüte war röhrend im Wald verschwunden. Bei solchen Motorradfahrern hoffe ich immer, dass der sich bitte schön nicht direkt vor mir zerlegt ... dann müsste ich, wegen seiner Hirnlosigkeit, ihm auch noch erste Hilfe leisten.

Während wir so gemütlich bergab mit dem Strom schwimmen, na - wer kommt uns da schon wieder den Berg rauf entgegen? Jawoll, die grüne Knalltüte. Denn: Praktischerweise ist am Ende der Strecke noch ein Kreisel, so dass man ohne Anhaltent wieder raufbrettern kann.

Keine Gnade

Ich habe für solche Motorradfahrer kein Verständnis. Wirklich nicht. Sie sind der Grund, warum Strecken für Motorräder gesperrt werden. Ich habe kein Mitleid mit solchen Menschen. Letztens hat sich wieder ein Möchtegern-Rennfahrer im Kochertal, direkt vor einem Arbeitskollegen, mit überhöhter Geschwindigkeit vor Abtsgmünd in die Landschaft gesteckt. Das ist für mich natürliche Auslese. Klingt hart, ist aber so. Nicht nur, dass sie andere gefährden mit ihrer rücksichtslosen Fahrweise, sie denken nicht daran, dass völlig Unschuldige, die als erste am Unfallort ankommen, einen Schock für's Leben bekommen und noch dazu verpflichtet sind, ihnen zu helfen. Tun sie's nicht, werden sie angezeigt wegen unterlassener Hilfeleistung.

Leider treffen Restriktionen immer die Falschen - nämlich die Motorradfahrer, die fit genug sind und sich ihrer Umwelt (Straßenverkehr) angepasst haben. Denn die haben bisher überlebt, und das wollen sie auch weiterhin. Ein Drehzahlknecht, der im Straßenverkehr auf Rennfahrer macht, der muss damit rechnen, keine große Lebensspanne zu haben.

In diesem Sinne: Denkt an Darwin und passt Euch den Umständen an! Ride safe!

Photo credit: cszar on VisualHunt / CC BY-NC-ND

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