Welches Motorrad passt zu mir?

Seit dem es mehr als einen Motorradtyp gibt, wird diese Frage immer wieder gerne gestellt. 

Ich habe mir dazu mal ein paar Gedanken gemacht, wie ich zu meinem ersten Motorrad bzw. zu "meinem" Motorrad-Typ gekommen bin. Weiter unten gehe ich natürlich speziell auf Eisenhaufen ein ;-)

Moto Guzzo V7 III

Was soll ich nur fahren?

In der Fahrschule reitet man meist nicht den Typ Motorrad, den man hinterher auch zuhause stehen haben wird. Die Überlegung, welches Motorrad nach bestandener Prüfung angeschafft werden soll, beginnt schon in der Fahrschulphase. Leider kann man da noch kein Motorrad probefahren.

Für mich stand schon früh fest, dass ich einen Chopper haben möchte. Ich liebe diese Eisenhaufen einfach. So stand auch vier Wochen nach meiner Anmeldung in der Fahrschule mein Möppi - eine 535er Yamaha Virago - in der Garage. Da konnte ich mich nur mit Putzorgien an der Kleinen bei Laune halten.

Körpergröße ist nicht alles

Vielen kleineren Frauen wird von Freunden und Bekannten in der Findungsphase ein Chopper empfohlen. Als ob es nichts anderes für kleine Menschen gäbe. Ein Chopper hat nichts mit der Körpergröße zu tun. Mein Mann ist 1,82 m groß und fährt einen Chopper. Es ist einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Ich hätte genau so gut ein Naked-Bike oder Tourer haben können - wollte ich aber nicht, weil sie mir einfach nicht gefallen und nicht mein Lebensgefühl widerspiegeln. 

Was ich hier schon mal einstreuen möchte: Körpergröße ist nicht unbedingt DAS entscheidende Kriterium, sich für einen Motorrad-Typ zu entscheiden.

Was sind denn dann die wichtigsten Kriterien?

Meiner Erfahrung nach sollte man sich klar darüber sein, was einem gefällt:

  • Naked?
  • Supersportler?
  • Tourer?
  • Sport-Tourer?
  • Chopper?
  • Cruiser?
  • Enduro?

Alle Motorräder haben irgendwo ihre Vor- und Nachteile. Die sollte man sich genau anschauen und überlegen, ob man damit leben kann und will.

  • Willst Du viele lange Touren fahren?
  • Soll's auch mal damit in den Urlaub?
  • Ins Büro jeden Tag?
  • Antriebsart: Kette, Riemen oder Kardan?

Ist wie bei der Partnersuche ;-)

Wenn das geklärt ist, heißt es Probesitzen, was das Zeug hält. Fahrt zu jedem Händler, der das Wunschmotorrad in der Ausstellung stehen hat. Wenn ihr zu klein seid, fragt nach, was man noch tun kann, um die Kiste tiefer zu bekommen. Und sollte es tatsächlich gar kein Motorradmodell der verschiedenen Hersteller in der gewünschten Kategorie geben, das passt - dann muss eben doch Plan B her ;-) (Nein, es muss kein Chopper sein ...)

Männer machen um ihre Unzulänglichkeiten auch nicht so viel Aufhebens, die machen einfach.

Was kann ich mir leisten?


Natürlich kann man sich gleich das teure Neu-Fahrzeug als Anfänger in die Garage stellen. Meistenteils ist man nach bestandener Fahrprüfung auf dem eigenen Motorrad immer noch etwas unsicher unterwegs bis alles in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Das, kombiniert mit dem Gedanken, dass das teure neue Mopped nicht zu Schaden kommen darf, macht den Einstieg ins Motorradfahren nicht einfacher.

Tipp: Auf alten Pferden lernt man reiten. 

Mein altes Möppi hatte nach der ersten Saison ausgedient und wurde gegen Susi Sorglos (1400er Intruder) mit Bums getauscht.

Moto Guzzo V7 III

Ich will einen Chopper!

Gut, Du hast Dich also dafür entschieden, einen Chopper zu fahren, weil Du das auch so willst? Dir hat niemand erklärt, dass Du für alle anderen Motorräder zu klein bist? Willkommen im Club!

Dann erzähl ich Dir mal was über's Chopperfahren:

Unglaubliche Geometrie - das heißt, Chopper sind die Hummeln unter den Motorrädern. Sie sind für's Geradeausfahren konzipiert. Kurven mögen sie nicht so und quengeln dabei immer gerne. Man muss ihnen schon genau erklären, dass sie da rum sollen.

Vorverlegte Fußrasten sind nicht gut, um im Stand die hintere Bremse zu bedienen. Der nach hinten verlagerte Schwerpunkt macht das Balancieren auf dem linken Bein, während Du versuchst die Bremse zu treten, zu einer sehr kippeligen Geschichte - besonders am Berg. Also doch lieber beide Füße auf die Straße vor der Ampel und Kreuzung.

Wie dann aber am Berg anfahren? Tja, das ist die Kunst, Kupplung, Bremse und Gas gefühlvoll zu bedienen. Langsam die Kupplung kommen lassen, bis die Kiste nach vorne will, dabei geschmeidig Gasgeben und nicht vergessen, den Bremshebel sanft loszulassen.

Anekdote:
Um aus meiner Anlieger-Straße auf die Hauptstraße zu gelangen, musste ich in meiner Beginner-Zeit immer gleich am Berg links abbiegen. Beim ersten Mal habe ich dort gefühlte 3 Stunden gestanden, um alles gleichzeitig zu machen - ohne dabei die Kiste abzuwürgen: In die richtige Richtung schauen, nicht geradeaus zu fahren, Gas, Bremse, Kupplung und Lenken koordinieren. Übung macht den Meister. Geht jetzt wie geschmiert ;-)

Allerdings wirst Du nie die Kurvengeschwindigkeiten hinbekommen, wie ein Nakedbike oder ein Supersportler, die mit kurzem Radstand und anderen, für's Kurvenkratzen vorteilhafte Eigenschaften, aufwarten. Physik ist, wenn's trotzdem klappt.

Das Gewicht der Eisenhaufen ist nur beim Rangieren auf unwegsamem Gelände relevant. Auch ein Mann hat mit einem schweren Motorrad so seine Schwierigkeiten ;-)

Noch ein Wort zum Choppergefühl

Für mich gehört zum Choppergefühl das pure Fahren ohne große elektronische Helferlein. Das einzige, was an meiner Scout verbaut ist, ist das ABS. Dagegen habe ich nichts. Doch zig Fahrmodi brauche ich nicht.

Windshield, Verkleidungen, Satteltaschen, Griffheizung, Gelsitz oder andere Annehmlichkeiten möchte ich auch nicht. Ein wenig Entbehrung, etwas Unbequemlichkeit und Anstrengung ist für mich das, was das Motorradfahren ausmacht. Dann macht es gleich doppelt so viel Spaß, wenn man irgendwo einkehrt und die alten Knochen auf etwas Bequemes platzieren kann. Schließlich heißt es "Chopper" - alles Unnötige muss weg ;-)

Do what ever you want!

Aber egal für welchen Motorrad-Typen Du Dich entscheidest: Lass Dir nicht von anderen einreden, Du seist zu klein oder sonst was, um Dir den Traum von Deinem Motorrad zu erfüllen.