Anfahren am Berg mit dem Motorrad

Anfahren an Steigungen

Es mag seltsam klingen, wenn ich über Anfahren an Steigungen / am Berg einen Artikel verfasse, ja sogar ein Video erstellt habe. Hat man doch schließlich in der Fahrschule gelernt ... Genau. Und was man in der Fahrschule gelernt hat, wenn man es denn gelehrt bekommen hat, kann man dann auch sofort *zwinker*. 

Das brauchst Du sowieso nie

Ich habe das Anfahren am Berg und auf der Ebene mit der Fußbremse auf einer KTM 690 Duke in der Fahrschule gelernt. Die Anfahrtechnik, wie ich sie hier beschreibe, durfte ich einmal an einem Hang in Weißenburg probieren. Mein Fahrlehrer meinte dazu: "Ich zeig Dir das jetzt mal, damit Du das auch mal gemacht hast. Wirst Du sowieso nie brauchen." Damit war für mich dieses Thema in der Ausbildung erledigt. (Anmerkung: Während meiner ersten angefangenen Motorradausbildung in den späten 80ern, habe ich das Berganfahren auch nur mit Fußbremse gelernt! Also an neumodischen Methoden kann es nicht liegen)

Prüfung gemacht, fertig.

Da stand sie an der Kreuzung

Tja, es wäre also alles ganz einfach gewesen. Wenn da in meiner Garage keine Virago mit vorverlegten Fußrasten gestanden hätte, sondern ein Nakedbike oder sowas in der Art und ich nicht an einer T-Kreuzung hangaufwärts abbiegenderweise aus meinem Wohngebiet hätte fahren müssen. (Ganz schön langer Satz, btw)

Das Anfahren am Hang mit gleichzeitigem Abbiegen entpuppte sich nämlich als gar nicht so einfach. Durch die vorverlegten Fußrasten war ein sicheres Stehenbleiben mit der Fußbremse schwierig. Also beide Füße auf den Boden. Und jetzt steht Frau da, mit krampfhaft festgehaltener Vorderbremse und soll den Bremshebel los-, Gasgeben und die Kupplung kommenlassen. Schatzi ist währenddessen schon lange weg...

Puh, Schweißausbruch unterm Helm. Erster Gedanke: "Die Hände sind zu klein, das geht nie!" (Weiter den Verkehr beobachtend, der Schweiß rann) Nach einer gefühlten Ewigkeit, Verlust von mindesten 5 Litern Flüssigkeit und *hört hört* ohne die kleine Virago abzuwürgen, sind wir linksabbiegend, ohne den Verkehr zu behindern, auf die Hauptstraße aufgefahren. In 100 Meter Entfernung stand Schatzi und wartete geduldig mit Trude.

Übung macht die Meisterin

Im Laufe der Jahre ist mir diese Technik, nur mit der Vorderbremse anzufahren, in Fleisch und Blut übergegangen. Es ist mir egal, wie steil der Hang oder Berg ist, an dem ich anhalten muss. Ich komme überall weg. Gelernt durch fahren, fahren, fahren. Nichts anderes hilft. 

Für den Fall, dass es Dir in Deiner Ausbildung ähnlich geht oder gegangen ist und/oder Du noch Anfängerin bist, habe ich unten dieses kleine Video erstellt. Es soll Dir kurz vermitteln, dass das alles keine "Rocketscience" ist und Du es auch lernen kannst :-)

Anfahren an der Steigung mit Vorderbremse

Die Technik

  1. Kupplung bis zum Schleifpunkt kommen lassen. Du merkst, dass die Maschine nach vorne möchte.
  2. Langsam Bremshebel lösen, die Maschine fährt langsam an.
  3. Dabei sanft aus dem Handgelenk Gasgeben, damit sie nicht abstirbt.

Anmerkung

Ich habe das Video bereits vor diesem Artikel über meine Social Media Kanäle geteilt. Hauptsächlich in Frauen-Motorrad-Gruppen, aber auch in gemischten Gruppen.

Reaktionen von Frauen durchweg positiv oder neutral. Es gab Anmerkungen dazu, ob man es schon so gelernt hat oder dass man sich die Finger dabei verknotet ... Alles, ohne persönlich zu werden.

Reaktionen von Männern: Hauptsächlich herablassend, überheblich, besserwisserisch, sich lustig machend, Unverständnis. Ich frage mich, ob sie sich über diverse andere Youtube Videos zum Anfahren mit dem Motorrad, erstellt von Männern, auch so lustig gemacht hätten. Oder ob sie dann Beifall für dieses Meisterwerk der technischen Dokumentation geklatscht hätten.

Es ist deshalb gut, dass es Frauen-Motorrad-Gruppen gibt. Hier ist ein sicherer Raum, in denen wir uns nicht erklären müssen, weil wir viele Dinge am eigenen Leib erfahren haben und es nachvollziehen können.

Ich lasse mich nicht von diesen Dinosauriern unter den Motorradfahrern aufhalten und werde weiterhin das tun, dokumentieren und filmen, von dem ich meine, dass es nützlich sein kann.