Indian Chief Dark Horse - Fahrbericht - Fahreigenschaften - Fahrwerk

Fahreigenschaften - Fahrwerk

Cruisertypisch wissen die Federn vorne nix von den Federbeinen hinten. Ja, es wird in der Werbung immer geschrieben: tolles Fahrwerk. Klar doch. Als leichtgewichtiger Mensch weißt Du, dass allgemein die Motorradindustrie standardmäßig Federbeine verbaut, die für den Durchschnittsfahrer ab 75 kg designed sind. Dazu fehlen mir noch einige Kilos.

Einstellbar ist grundsätzlich nur hinten die Federvorspannung, die ja nix mit dem Fahrkomfort zu tun hat. Ergo verhält sich die Chief wie alle Motorräder mit Standardfederbeinen: Leichte Fahrer*innen werden gewissermaßen gar nicht "wahrgenommen". Dadurch federt sie auch recht schnell aus, sie reagiert auf schlechten Straßen recht hoppelig. Zugute halten kann man da ihr "schmales" 130er Vorderrad auf einer 19' Felge, das darauf eher weniger zickig antwortet. Da bin ich mit meiner kleinen Scout anderes gewohnt, wenn es auf Schlaglochpisten geht.

Fahreigenschaften - Kurvenverhalten

Kommen wir nun zu dem Punkt, den wohl viele interessiert:

Wie fährt es sich mit dem Dickschiff durch unterschiedliche Kurventypen?

Meine Runden drehe ich im Hoheloheschen und auf der Schwäbischen Alb. Kurven, langgezogene, schnelle Kurven und ebenso Kehren gehören damit ins natürliche Straßenbild, womit ich täglich mit konfrontiert bin. Genauso gewohnt bin ich auch einen Chopper mit gleichem Radstand, allerdings wesentlich flacherem Lenkkopfwinkel - Morticia, meine 1400er Intruder. Da prallen zwei Generationen aufeinander ;-)

Langgezogene Kurven

Wir haben hier unsere Hausstrecke (leider auch beliebte "Rennstrecke", auf der jedes Jahr mindestens ein Motorradfahrer*in tödlich verunglückt), das Kochertal. Hier schlängelt sich ein gut ausgebautes Asphaltband im Tal fast direkt am Flüsschen Kocher entlang. Die Strecke ist zwar abschnittsweise auf 70 km/h reguliert und es kommen auch mal Ortschaften, aber es gibt einige Teilstücke, die mit 100 km/h erlaubt sind.

Das ist genau das Terrain der Chief Dark Horse. Sie fällt zwar nicht gleich in die Kurve, doch mit ein bißchen Nachdruck macht es einen riesigen Spaß, das Pferdchen durch die langen Bögen zu treiben. Überholmanöver auf der Landstraße sind ein Kinderspiel. Die knapp 1900 ccm lassen sich da nicht lange bitten.

Wechselkurven

Kurvenwechsel (links-rechts-links-rechts ...) funktionieren mit dem dunklen Pferd auch ganz gut. Nur muss ich kleiner Mensch etwas mehr arbeiten, um die tief gelagerten 304 kg entsprechend schnell von der einen Seite auf die andere umzulegen. Wir wissen ja: je niedriger der Schwerpunkt, desto schwerer wird es auch, die Kiste von einer Seite auf die andere zu bekommen.

Kehren

Die gemeinsten Richtungswechsel einer Straße, zumeist noch mit ziemlichem Niveau-Unterschied. Hier ist ein wenig Vorsicht bei der Chief angesagt. Allerdings nicht aufgrund der Fahrzeuggeometrie - da lässt sie sich trotz aller "wenig kehrentauglichen Eigenschaften" butterweich durchmanövrieren. ABER: Es fehlt mir hier eine ausgewogenere Abstimmung des Ride-by-Wire.

Im Standard-Modus dreht man erst mal ein kleines Stück am Gasgriff, bevor sich was tut, dann kommt es mit Wucht. Klar, 1900 ccm wollen nach vorne. Mir fehlt da die Abstimmung, smooth im unteren Drezahl- (alles um die 1500 U/min) bzw. Stützgasbereich die Kehre zu nehmen. Da hab ich sie so manches Mal noch mal nachdrücken müssen, weil es schneller vorwärts ging als erwartet. Wenn schon elektronisch geregelte Gasannahme, dann auch so, dass es in Europa mit engen Kehren fahrbar ist.

Fahreigenschaften - Bremsen

Vorne bremst eine einzelne 300 mm Semi-Floating Scheibe mit einem 4-Kolben-Bremssattel, hinten ebenfalls eine 300 mm Scheibe mit einer 2-Kolben Anlage.

Die Bremse vorne spricht gut und präzise an und lässt sich sehr gut dosieren. Bei gleichzeitigem Einsatz der hinteren Bremse lassen sich die 304 kg auch sehr schnell auf 0 herunterbringen.

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